kuehni | 03 September, 2010 08:28
Vor zwei Jahren etwa haben wir begonnen, über dies und das zu schreiben. Die etwas andere Zeitung ist daraus geworden. Luzern-Direkt wird von einer wachsenden Zahl von Leserinnen und Lesern - um mich korrekt auszudrücken - täglich besucht. Die Reaktionen sind unterschiedlich, je nachdem, aus welchem Lager sie kommen.
Immer aber ist das, was wir schreiben, belegbar und deshalb oft unbequem. Getreu unserem Namen berichten wir aber direkt und klar. Heute feiern wir gleich zwei Geburtstage bzw Jubiläen:
Dies ist mein Geburtstag - wie immer - im schönsten Monat des Jahres, wo die Natur beginnt, Farbe zu zeigen, zumindest an den Blätterm der Bäume, in Wäldern, Auen oder auch nur in Gärten von betuchten Villenbesitzern.
Dies ist aber auch der Artikel mit der Nummer 500. Bereits 500 mal habe ich Ihnen berichtet über dies und das, immer mit etwas Ironie, aber durchaus klar und deutlich gegen Mauscheleien, Unrecht und Unsinn, wie er leider allzu oft geschieht.
Wir sind eine Luzerner Zeitung - im Internet zwar, aber bekennende Berichte über Stadt und Kanton schreibend, die uns im offiziellen Luzern wohl nicht immer wohlwollend abgenommen werden. Kann ich verstehen.
Im August, nach 5-wöchiger Abwesenheit des Medienbeauftragten dieser Stadt, habe ich Herrn Niklaus Zeier um eine Stellungnahme gebeten, weshalb er nach 500 Artikeln immer noch der Meinung ist, wir seien kein Medium, das über Luzern berichtet. Bis heute, 3.September hat mir Herr Zeier nicht einmal geantwortet, geschweige denn etwas dazu gesagt, bzw geschrieben. Sehen Sie selbst:
Herr Zeier ist von der Stadt beauftragt, sich um solche wie mich zu kümmern. Offenbar haben ihm seine langen Ferien nicht gut getan. Wir bleiben jedenfalls dran.
kuehni | 02 September, 2010 18:31
Das Reusswehrprojekt umfasst laut Abstimmungsvorlage im Kantonsrat, wie auch laut Abstimmungswerbebotschaft des Kantons das Gebiet zwischen Reusssteg (beim Rathaus) und Spreuerbrücke. Die Arbeiten an der Spreuerbrücke, sowie die neue Anrampung am missratenen Kraftwerk seien nicht Teil des Budgets. Im Fall der Anrampung am Kraftwerk rechnete das ewl mit Kosten von fast einer Million, die ja eigentlich ins Projekt gehörten, aber vom ewl selbst bezahlt würden, also den Baukredit scheinbar verkleinerten, so dass für eine Mitsprache des Volkes ein Referendum und damit eine private Unterschriftensammlung notwendig wurde.
Nun liest man in der Pressemitteilung der Staatskanzlei unter anderem:
- Nach einer Testphase während des Winters 2010/2011 wird das neue Nadelsetzgerät im Frühjahr 2011 in Betrieb genommen. Unterhalb der Spreuerbrücke werden im Sinne von ökologischen Ersatzmassnahmen fischereibiologische Aufwertungen an der Reusssohle vorgenommen. Die Abschlussarbeiten werden im Mai 2011 ausgeführt. -
Oekologische Ersatzmassnahmen sind es, die unterhalb der Spreuerbrücke zu Gunsten der Fischerei gemacht werden. Was diese kosten, steht leider nicht in der Mitteilung. Ebenso die Kostenüberschreitung bei der Unterfangung der Pfeiler an der Reussbrücke, die im Projekt innert kurzer Zeit hätten durchgeführt werden sollen. Nun spricht man von Ersatz des linksseitigen Brückenpfeilers. Der rechte Pfeiler wurde bereits ersetzt. Die fischereibiologischen Aufwertungen sehen auf dem Plan aus wie weitere Absenkungen der Reussohle nach (unterhalb) der Spreuerbrücke.
Sehen Sie dazu den Link:
http://www.lu.ch/download/sk/mm_photo/8252_20100902_Reusswehr.pdf
Hier ein direkter Ausschnitt:
Dies wurde von den Projektverantwortlichen während dem Referendum immer bestritten.
Weshalb hat es der Kanton nötig, Bürger und Kantonsparlament so hinter's Licht zu führen.
kuehni | 31 August, 2010 10:03
Vor Jahren trafen wir uns geschäftlich in Madrid, um neues aus der Softwareschmiede Theos zu hören. Natürlich war da die kulinarische Sicht der Dinge nicht minder wichtig. Für uns Schweizer zur z'Vieri Zeit begaben wir uns in ein wunderschönes Hotel in der Nähe des Königspalastes um zu essen. Wir sassen in einem Innenhof an einem wunderschönen altspanischen Tisch. Unser Gastgeber, der eine wichtige Persönlichkeit in der Geschäftswelt Madrids der damaligen Zeit war, erzählte uns die, zu den Möbeln passenden Geschichten.
Neben mir sass der italienische Vertreter unserer Produkte und so kam es denn zur Befragung, wie denn die Spanier und die Italiener zueinander stehen und wie die Unterschiede in den Sprachen seien. Unser Gastgeber, mit all seiner Lebenserfahrung meinte, die Unterschiede könnten grösser nicht sein.
Aus heutiger Sicht, unter der Berücksichtigung des damals diskutierten konnte ich dies eigentlich nie richtig verifizieren. An verschiedenen spanischen Destinationen, die ich seither besucht habe, waren immer auch italienische Leute anzutreffen. Sie sprachen nicht gross miteinander, aber dies ist ja nicht ungewöhnlich. Offenbar liegen die Spannungen zurück, zur Zeit der Welteroberer muss dies wohl krasser gewesen sein.
Mit Genugtuung stellte ich dieser Tage fest, dass wir uns auf Ibiza in einer Balsamico freien Zone Europas befinden. Auf jedem Tisch sind Weissweinessig und Olivenöl anzutreffen. Balsamico gibt es schlichtweg nicht. Meine regelmässigen Leser erinnern sich an die Geschichte vom Hotel Schweizerhof über die Balsamicozone Luzern.
kuehni | 27 August, 2010 06:47
Dass in Luzern die "Luzerner Katzenstrecker-Mentalität" gilt, war uns ja bekannt, als wir darüber abstimmen durften, ob wir denn diese Bauwerke in der Allmend wollen oder nicht. Insgeheim haben wir aber gehofft, dass unsere Luzerner Wirtschaft, auch wenn sie nicht solar oder mit Golf zu tun hat, damit in die Zukunft geführt werden könne. Soviel Platz für Stadien und Hallenbäder hat es im Raum Luzern nun wohl nicht.
Bekannt war auch, dass es sogenannte Submissionsverfahren gibt, mittels denen der effizienteste Anbieter ausgewählt und dadurch Kosten gespart würden. Seit dem Reusswehr und seiner dubiosen Vergabe, seit der Tribschenstadt mit den selben Mustern und seit den andern, in der letzten Zeit bekannt gewordenen Methoden, wie man diese objektiven Richtlinien umgehen kann, haben wir Bürger das Gefühl, von Betrügern regiert zu werden.
Nun kommt es wieder zu einer solchen Posse. Ein Luzerner Unternehmen aus Sursee, das sich wirklich ausweisen kann und über 2 Millionen Direktumsatz/Jahr auf dem Fachgebiet erreicht, offeriert deutlich günstiger als die ausländische Konkurrenz. Zwar nur eine halbe Million günstiger, aber immerhin. Gesteuert von Swisspor und den Beraterfirmen, die drin hängen, hat man den Präferenzlieferanten jedoch bereits ausgemacht. Die Sache ist entschieden, bevor die Submission durchgeführt ist.
Der Unternehmer aus Sursee reklamiert - zu Recht, sollte man meinen. Aber der Jurist von der Baudirektion, oder all die involvierten Juristen der Abteilung haben vorgesorgt. Es müssen 2.5 Millionen pro Jahr sein, damit das Submissionsgesetz angewendet werden kann. Dumm gelaufen, so werden unsere Steuergelder ins Ausland fliessen. Wirtschaftspolitik mit Füssen getreten. Es wird dem unterliegenden Unternehmer auch nichts nützen, eine Verwaltungsgerichtsbeschwerde einzureichen. Die wird versanden, die wird versiegen, abgeschmettert werden.
Anwälte unter sich - dumm gelaufen. Und wir Bürger sollten den Aussagen unseres Baudirektors oder dem des Kantons noch glauben und vertrauen.
kuehni | 27 August, 2010 06:29
Dass Hersteller von Kindersitzen wie die Firma Römer sich freuen über die Kindersitzpflicht, kann man ja verstehen. Dass ansonsten dieses neue Uebel, das wir aus Brüssel importieren, nichts, aber auch gar nichts zur Entwicklung eines selbstständigen Menschen der heutigen Zeit beiträgt, dürfte anhand der Unfallzahlen von Schweizer Taxiunternehmen bewiesen werden können. Diese dumme Vorschrift, der sich die gefügigen Nichtmitglieder im Justizdepartement unseres Landes schnellstmöglichst unterzogen haben, ist wirklich in der Kategorie Lächerlichkeiten anzusiedeln.
Nicht auszudenken, der zehnjährige, angeschnallt im Kindersitz, wie er im Internet surft. Das Handy dazu wird ihm sogleich vermietet, verkauft und sowieso für mindestens 2 Jahre mit einem Vertrag zum Telefonieren versehen. Für diesen 10-jährigen gilt ab sofort laufen - zu Fuss, nebenher das Taxi im Schrittempo. Man könnte den Halbwüchsigen ja verlieren oder er könnte gekidnappt werden.
Wenn ich Taxi Unternehmer wäre, würde ich wohl eine der Landwirtschafts- und Halbinvaliden-Nummern lösen, mein Taxi auf 25 km/Stunde plombieren lassen und somit beweisen können, dass sich darin kein Jugendlicher umbringen lassen kann.
Wie lange dauert es noch, bis wir unsere Augen öffnen, dem Brüsseler Schwachsinn, der sich überall breit macht, endlich die Stirn zu bieten. Wie erklären uns die Vollzieher des gesamteuropäischen Unsinns die angefahrenen Fussgänger, die es im Gegensatz zu verunfallten angegurteten Halbwüchsigen im Auto auch gibt?
Die Idee mit Europa war gut - nur, dumm gelaufen, was daraus je länger je mehr wird. Zu den Kosten einer Kinderaufzucht kommen also heute nebst dem Audi für den Vater, dem Smart für die Mutter (Marietta meint, es sei nicht frauenfeindlich, wenn die Frau sich mit diesem Modell als Zweitwagen begnügen müsse), nun auch noch mindestens die 5-10 Grössen von Kindersitzen, allesamt auf den Audi angepasst.
Moment, moment, und der Smart? Wenn die Regel nur für Taxi gilt, wo bleibt dann der Schutz der Kinder, wenn sie nicht Taxi, sondern Chauffeur/Chauffeuse Eltern mitfahren?
kuehni | 25 August, 2010 07:03
Es war ja schon immer bekannt, dass Kaminfegermeister nur Morgens um sieben arbeiten, zumindest trifft die Vermutung zu, wenn ich auf die letzten dreissig Jahre zurück blicke. Dass dies auf dem Bau offenbar ähnlich ist, erleben wir hier in der Altstadt momentan in quartierübergreifender Form. Ich selbst stehe in der Regel so früh auf, dass zumindest der Faktor geweckt werden keine Rolle spielt. Für mich ist eher erstaunlich, dass die Leute immer und immer wieder vor der erlaubten Zeit kommen, sich installieren, auspacken, einpacken, auf die Strasse werfen, von der Strasse zur Baustelle werfen, Bohrer und Meissel prüfen, Löcher leeeeise bohren (nur zum Test) und dies so um die akademische Viertelstunde früher, als es die Baubewilligungen erlauben.
Alle, die man dazu befrägt, wissen von nichts, haben keine Ahnung, müssen nur schnell, kommen erst neu, gehen schnell wieder.... Kurz, die Arbeiter sind eine Horde ungezogener Lümmel, die zu früh aufstehen, zu früh für das Gesetz. Dieses erlaubt ihnen die Arbeit zwischen 7 Uhr und Mittag, bzw 13:30 Uhr und 18:30 Uhr - lärmige, versteht sich - nur, haben Sie schon lärmbefreite Baumaschinen gesehen?
Am wenigsten Probleme bereitet der Abend. Alles, was nach 18 Uhr läuft, ist vom Chef erzwungen. Da kommt auch schon mal Verständnis auf. Was aber am Morgen und Mittag läuft, ist schwer zu erklären. Die Chefs haben weder das Recht, noch die Erlaubnis der Baubehörden, den Arbeitern das Aufwärmen vorzuschreiben. Also weshalb tun sie es laufend und immer wieder?
Nun - auf unserer Baustelle Herren Globus haben sie es lernen müssen, dass wir hier diese Uebertretungen einfach nicht wollen - basta. Ebenso haben sie aber begriffen, dass wir es den Behörden nicht sagen - denn beim nächsten Mal gibt es 14 Tage Baustopp. Trotzdem tun sie es immer wieder, praktisch jeden Tag. Diese Arbeiten vor der erlaubten Zeit sind ineffizient und unkonzentriert, also sie beeinflussen den Endtermin keineswegs. Sie dienen eher dazu, der Unzufriedenheit kund zu tun, dass ihnen jemand die Freiheiten nimmt, die sie sich auf dem Bau gewohnt sind, sich zu nehmen.
"Was ist das für einer, der da dauernd stänkert...., wir als Generalunternehmer können doch nicht dauernd Polizist spielen...."
All dies erinnert an Zeiten, wo das Arbeitervolk noch weder lesen noch schreiben konnte. Aber eben, die Sache hat durchaus System. Sauberes, korrektes Bauen ist wohl zu teuer. Und so hat man die privaten Randzeiten der Bauarbeiter langsam aufgefressen, bis es zum Essen und Trinken kaum mehr reicht. Wie Maschinen funktionieren sie - tolle Vorstellung für Schulabgänger auf der Suche nach einer Lehrstelle. Oder soll man Leerstelle sagen?
Ab sieben könnten sie ohne weitere Vorsicht einfach beginnen - könnten sie - tun sie aber nicht, denn da warten sie bis um fünf nach sieben. Man nimmt ja Rücksicht auf die Anwohner. So bis zum Ende dieser Baustelle werden sich die Plämperliarbeiten auf hunderte von Stunden summiert haben. Logischerweise private Stunden, unbezahlte Stunden, denn bauen dürfen sie erst ab sieben. Zahlen muss der Unternhemer nicht - gehört zur Anreise, sozusagen.
Zuerst war es ja nur der Generalunternehmer und sein Baggerbetrieb, der uns an den Rand des Wahnsinns trieb. Nun sind es aber all die Handwerker, die alle nicht wissen, dass es ein Baugesetz gibt, dass Regeln gelten - zu Gunsten der umliegenden Bürger und Geschäfte, aber nicht zuletzt auch zu Gunsten der Gesundheit der Bauarbeiter. Diese nämlich lassen sich dies gefallen, jahrein jahraus. könnten ja gekündigt werden. Wir reklamieren nicht in den erlaubten Zeiten, wir möchten aber in der übrigen Zeit dies nicht tun müssen.
Wer ist hier der Täter?
kuehni | 22 August, 2010 09:37
Bahnlinienanlieger nicht. Dies die Essenz aus dem Bericht, ein Gebäude beim Gersag zu sanieren, das, wie tausende in der ganzen Schweiz, die Thyristor-Oberwellen der Bahn2000 Loks erleiden müssen. Da geht es gut und gern um 5-10 Megawatt, die über die Fahrdrähte verschoben werden und den soooo sauberen öffentlichen Verkehr antreiben. Mit riesigen Tellerthyristoren werden in den Loks die Ströme für die Fahrmotoren gesteuert, so um die 2000 Ampères liegen da beim losfahren schon drin. Anders, als bei den alten Trafogesteuerten Loks werden also die Ströme zerhackt, um die Leistung zu dosieren. In zum Teil hörbaren Bereich (das Summen ist auch bei den neuen vbl Bussen beim Anfahren deutlich zu hören) werden die Ströme ab- und angeschaltet, um den Loks die notwendige Dosierung der Leistung zu gewähren.
Im Fall Gersag mietet der Kanton für stattliche Beträge direkt an der Bahnlinie eine Liegenschaft und stellt fest, dass die Strahlungswerte über 90-fach zu hoch sind. Weil das Gebäude aber vor den Vorschriftserlassen schon da war, macht das nichts. Statt die Verursacher zu ermitteln, wird jetzt für eine halbe Million mit Aluminium Platten nach Faraday für Abhilfe geplant. Aluminium leitet zwar den Strom sehr gut, umgibt sich aber immer mit einer Oxidschicht. Umso schwieriger ist es, den Stromfluss zwischen Platten aufrecht zu erhalten. Trotzdem montiert man Aluplatten. Aluminium ist ein Nichteisenmetall, also gibt es keinen Magnetismus. Magnetfelder werden somit nicht abgelenkt, sondern, so Gott will, in Wirbelströme verwandelt, so wie in den alten Elektrozählern mit den Aluscheiben.
So dürfte es eine ziemlich schwierige Uebung werden einen wirksamen Schutz mit Aluplatten zu erzielen.
Sollte es trotzdem gelingen, so werden wir strahlungsabsorpionsgeschädigte Staatsanwälte bekommen, die nach einiger Zeit in diesen Strahlungsfrei-Oasen, in der Klappse landen könnten.
Wer ist verantwortlich für die Einhaltung von Grenzwerten an Eisenbahnlinien?
P.S.Ich habe in Meggen an schönster Villenlage in einer schönen alten Villa WLAN installieren wollen, weil mehrstöckig und schwer zu verkabeln. Die Dame des Hauses (Name natürlich bekannt), wollte kein WLAN, weil die Strahlung (Grenzwert, von den Geräten eingehalten, ist 100 Milliwatt) für sie doch zu hoch sei. Ich fragte sie nach der Eisenbahnlinie. Direkt hinter dem Haus führte die Bahnlinie nach Merlischachen durch. Nanu, meinte sie, macht dies uns etwas? Nachdem die Leistungen millionenfach höher sind, ist dies wohl anzunehmen, meinte ich. Allerdings seien auch mir keine Schäden an Menschen bekannt durch Eisenbahnlinien, ausser des Lärms wegen, ergänzte ich weiter.
Der Ort idyllisch, schön und geliebt von allen, also leicht böses Erwachen für die Dame des Hauses und sofortige Bewilligung des wirklich unbedenklichen drahtlosen Computerbetriebs im Haus.
kuehni | 22 August, 2010 09:01
Die Bahnhofstrasse ist bekanntlich nicht da, wo sie jeder vermuten würde, die eine heisst Pilatusstrasse, und die andere, den Gleisen entlang Zentralstrasse. Seit Jahren bemüht man sich, aus der Bahnhofstrasse etwas mehr zu machen und sprach auch schon von Fussgängerzone. Der Theaterplatz ist, wie Balkonia unlängst berichtete, zur Begegnungszone (Unscheinbare Frau mit Kind an der Hand auf Verkehrsschild-Zone) geworden. Während die Automobilisten sich die Augen reiben und beim gleichzeitigen Studieren die Trasse zu suchen, keine Fussgängerstreifen ausmachen und zudem einfach nicht nur 20km/h fahren können, spinnen gewisse Grüne Gedanken, den ganzen Durchgangsverkehr an die Reuss zu verlegen.
Egal, wie der geistige Vater dieses Unsinns heisst, sollte dieser auf jeden Fall die Partei verlassen. Für ihn gibt es auch keine andere Partei, die nun wirklich den Verkehrsstrom (so an die 60-85 Tausend pro Tag) an diesen sensiblen Ort verpflanzen möchte. Tausend neue Bürger auf Tribschen drängen über die hässlichste Schweizer Brücke auf den Bundesplatz, allerdings mit dem Bus. Sie alle wollen in fünf Minuten zum Bahnhof, oder auf die andere Seite der Reuss. Dabei kämen die Busse am Kreisel Bundesplatz vorbei, wo bereits hunderte von Autos quer dazu in Richtung Zentralstrasse unterwegs wären, in die Hirschmattstrasse. Doch da stauten sich bereits die Busse vom Friedental, Gütsch, Maihof, Emmen, Rothenburg, Ruswil, Beromünster, Flugplatz Emmen, Horw, Littau. Die Liste lässt sich alle paar Minuten wiederholen. Alle diese auf dem selben Weg zum Bahnhof. Dort würden sie die kreuzen müssen, die brav in der Zentralstrasse gestaut wurden. Die gestrandeten Normalos Individualos, die Steuern für Ihr Auto zahlen, Garagen unterhalten, Benzinzölle entrichten, das Versicherungsgewerbe unterstützen und nicht zuletzt Finanzierungshäuser, denen ihr schönes Gefährt gehört.
Dieselbe Partei, die schon beim Kantonsstrassen-Cityring am Schweizerhof umgefallen war, und einer Seeaufschüttung zugestimmt hatte, im Glauben, es würde dann besser in der Stadt und um die Seebrücke, sieht sich nun eines besseren belehrt. Die vbl, als Vertreterin des öffentlichen Verkehrs hat klammheimlich Busbahnhöfe am Schwanenplatz geschaffen, die stadteinwärts bis zurück zum Gübelin reichen. Stadtauswärts mussten schon vor Jahren grosse und starke Bäume dieser Expansionspolitik weichen. Lesen Sie dazu die entsprechenden vbl-Zeitungen aus der Zeit vor der Realisierung.
Dass nun aber dieselbe Partei einer möglichen Urbanisierung der Bahnhofstrasse im Weg stehen soll, ist ein dicker Hund. Schämt euch und entscheidet euch. Oeffentlicher Verkehr ja, aber nicht so, wie das gerade läuft. Ohne Koordination mit jedem Bussli zum und vom Bahnhof geht nicht.
Derweil baut der Kanton am Cityring munter weiter. Die zwei schönen Mauern am Reussport scheinen fertig. Weitere 2-3 Jahre wird hier im Zentrum weiter zementiert, was falsch läuft. Der Bypass, den man wieder plant, sichert die Zukunft der Kantonsplaner bis 2030, also, wer um die vierzig ist und gerne planen hilft, hat sein sicheres Auskommen bei der Truppe vom Kanton, die uns die städtische Misere weiter garantiert. Der Präsident der städtischen Truppe stellt sich wohl - wie immer - hinter den Kanton. Zu leicht, zu leicht...
kuehni | 22 August, 2010 08:44
Am 17.März verstarb ein Nigerianer offenbar an seinem penetranten Willen, nicht in seine Heimat zurückkehren zu wollen. Eventuell aber auch an der Penetranz der Ausschaffungstruppe beim Vollzug Zwang gegen Zwang, Unrecht gegen Unrecht, Staat gegen Individuum. Ueber die Rechtmässigkeit der Ausschaffung mag hier nicht geurteilt werden.
Allerdings muss man sich fragen, ob das Institut für Rechtsmedizin der Universität Zürich ausser dem Lack jetzt noch einige weitere Zacken ab bekommen hat. Das von diesem Institut erstellte Gutachten über den schwer wiegenden Herzfehler, der zum Tod des Nigerianers geführt haben soll, wurde offenbar aus der Ecke der staatlichen Gefälligkeitsgutachten erstellt. Wieder stelle ich fest, dass mittelalterliche Praktiken damaliger Despoten in Europa unter dem Leitsatz "Der Zweck heiligt die Mittel", auch heute voll im Trend sind. Was unter dem Deckmantel "Vertraulich" oder sogar "Geheim" unter Verschluss gehalten wird, entpuppt sich als Sanktionierung einer Untat, zu der keiner schlechter steht, als der Staat selbst. Der Staat ist das Gesetz, und was den Bürger nichts angeht, ist nicht immer korrekt. Nur mutige Leute oder deren Anwälte bringen hin und wieder solch übles an den Tag.
Uebler als der Auftraggeber des Gutachtens ist jedoch die Bereitschaft eines Institutes für Recht und Gesetz, welches in der Verantwortung steht, Krankheiten offensichtlich zu erfinden, damit aus Unrecht Recht wird. Nun ist dieses Institut die Legitimation los, es werden immer Zweifel laut, sollten in Zukunft Gutachten aus dieser Ecke kommen. Wie heissen wohl die Leute, die dafür verantwortlich sind?
kuehni | 22 August, 2010 08:11
Nicht dass es schon genug wäre, dass ein schöner grüner Salat mit dem hässlichen Balsamicobraun unserer neuen Trend-Essig-Kultur verdreckt würde. Nicht dass es schon genug wäre, wenn anstelle von Salz "Fleur de Sel" gereicht würde, wenn dem Gast die Pommes Frites etwas zu fad schmecken. Neu ist für mich, dass sich ein trendiger Küchenchef weigert, den ganz normalen Weissweinessig an den Gast zu liefern, wenn er es denn dieser Karamel-Sülze vorzieht.
Geschehen am vergangenen Freitag Abend im Rotonde des Hotels Schweizerhof. Seit der Neueröffnung des Hotels vor über fünf Jahren essen wir in diesem Restaurant mit der Bitte, keinen Knoblauch, keinen Speck um die Bohnen, möglichst keine Zwiebeln und weisse Brötchen anstelle Tomaten- oder Olivenbrot und, zu guterletzt, anstelle von Balsamico normalen Weissweinessig zu bekommen.
Einige Küchenchefs haben wir überdauert - immer aber wurden unsere Bitten erhört und das Essen so ausgewählt, dass beider Wünsche erfüllt waren. Dienstleistung eben, für ein nobles Haus wie den Schweizerhof wie aus der Rippe geschnitten.
Nun ist das anders:
Was wir vor 2 Wochen beim geniessen eines Eiskaffees (das beste der Stadt) auf der Terrasse mitbekommen haben, hat sich also am Freitag bewahrheitet. Ein Gast, am benachbarten Tisch sitzend, wollte damals Weissweinessig anstelle des Dressings und bekam eine Absage. Wir hörten mit und fragten sogleich beim Personal nach. Vielmehr wollten wir das und dachten, das sei wohl draussen zu umständlich. Wenngleich der gute Koch doch ohne diesen Essig gar nicht auskommt, insbesondere bei der Essigreduktion wird es bei den Karamellsirups aus "Modena" doch etwas schwierig.
Am Freitag also bekam ich die Mitteilung, Essig und Oel ja, aber nur Balsamico und Olivenöl. Nachdem schon die Unsitte, nur noch Olivenöl dürfe in der Schweiz gekredenzt werden grassiert, nun auch noch dies....
Ich weigerte mich mit dem Vermerk, irgendein Weissweinessig aus der Küche dürfe es schon sein. Keine Ansprüche unsererseits. Und er dürfe, könne, ja müsse doch bitte sauer sein. Kein Sirup, keine in Estrichgewölben italienischer Nobelwillen jahrzehnte lang vergessene Preziosen, die bei einer Razzia gefunden wurden, aber auch kein typisch italienischer Marketinggag, wenn die Qualität nicht ausreicht, so nach dem Gusto Prosecco anstatt Champagner.
Der Kellner verstand mein Anliegen. Brav begab er sich in die Küche.... Nach 10 Minuten - den Salat ohne Dressing auf dem Tisch - bringt man mir weissen....nicht was Sie denken, nein, weissen Balsamico. Balsamico, vom Restaurant verordnet. Ziemlich dummes Outing für einen kommenden Sternekoch. Oder sollte man in der Gastroschule bereits so weit sein, dass man ohne Essig reduziert?
Der Salat - ganz ohne Dressing - war ausgezeichnet. Der Selleriesalat vom Schweizerhof ist dabei ja bereits angerichtet (der beste der Stadt) und das Wienerschnitzel war, nach durchlittenen Jahren von Designerköchen wirklich super, genauso, wie es sein sollte.
Sollten sich die Grundregeln der Kochkunst so geändert haben?
kuehni | 14 August, 2010 08:01
Bundesbern zahlt für Mitglieder des Parlamentes pro Notebook 2000 Franken - stimmt nicht ganz, denn, wenn es ein Apple Notebook ist, zahlt Bundesbern 4500 Franken. In beiden Notebooks sitzt der gleiche iCore Intel Prozessor, die gleichen Memory Chips und dieselben Disk-Produkte. Selbst die Produktion dürfte mehrheitlich im gleichen Wirtschaftsgebiet erfolgt sein. Trotzdem schützt - subventioniert - Bundesbern die Apple-Gläubigen weiterhin.
Apple ist denn zurzeit auch das höchstbewertete Unternehmen der Branche. Noch vor Microsoft, dessen Gründer Bill Gates während Jahren der Kapitalist Nr 1 der Welt war. Seit einem Jahr sonnt sich Apple im Zenith mit iPhones, iPhoneApps und iPads und iPadApps. Das iPhone 4 zeigte dem Konzern die gelbe Karte - wie bei jeder Religion völlig nutzlos. Die Schweizer Presse bewirbt ihre Leser mit iPhone4 Apps, ebenso wie Telefonanbieter und sonstige Unternehmen öffentlichen Interesses. So, als wäre nichts passiert.
Der von mir vermutete ominöse Handschuh, der die Antenne vor menschlichen Kurzschlüssen schützt, existiert auch schon, wenn auch nur als Hülle. Wie die deutschen Autobauer setzt Apple darauf, dass ein Add On Markt entsteht, der selbst Mängel gröberer Art, wie sie das iPhone4 besitzt, an die Wand schlägt, und weitere Gewinne ermöglicht.
Apple ist somit eine einzigartige Firma, die erfolgreich Pleiten produziert. Swisscom meinte kürzlich in der Presse, man hätte ein Vielfaches von diesen Pleitephonen verkaufen können, hätte man diese denn auch von Apple bekommen. Traumhafte Aussichten, bei der schlechten Presse vergangener Tage, die dieses Produkt seit Februar verfolgten. Nichts ist übrig geblieben von der verminderten Garantiedauer. Swisscom wird's freuen, auf diese bequeme Weise die Gewährleistung auf die halbe Zeit heruntergefahren zu haben.
Trotz der schwer wiegenden technischen Probleme mit dem iPhone4 konnte sich das Image von Apple wieder festigen. Die Produkte von Apple sind aber nach wie vor stark überteuert und bescheren den Managern von Apple Traumgewinne. Die Arbeitsbedingungen der Produktionsfirmen in China mit den in der Presse bekannten gemachten Selbsttötungen wegen den schier versklavenden Arbeitsbedingungen sind vergessen. Vergessen auch die politischen Scharmützel von Bundesräten mit der Chinesischen Führung wegen Menschenrechten. Bei Computern und Mobiltelefonen hört auch dieses auf.
Irgendwie funktioniert die Milliardengeldmaschine Apple - notabene dank billiger Chinaproduktion auf dem gewohnt hohen Gewinn- und Preisniveau. Wenn jemand glaubt, das Betriebssystem 10 von Apple würde den hohen Preis des Produktes rechtfertigen, so liegt er genauso falsch wie wenn er das Design anführt.
Der Name Apple funktioniert als Marke perfekt. Die Produkte sind allerdings eher Durchschnitt.
kuehni | 12 August, 2010 07:47
Strassenerweiterungen ziehen den Verkehr an. Dies wird uns laufend berichtet, wenn es um die Lösung grosser Probleme wie der Nord-Südachse am Gotthard oder schon nur dem Bypass Luzern geht. Nachdem bei letzterem wieder die Planungsquellen sprudeln und die Kantonsplaner mit guten Datschen und Pensionen beglücken, und wir nicht wissen, ob die Nägel je Köpfe bekommen werden, müssen wir uns wohl weiterhin mit unserer Stadtautobahn mit Velostreifen am Schweizerhof beschäftigen.
Was gut gemeint war, kommt nun so daher
(c) Peter Kühni
In Reih und Glied stehen die Busse von der Alpenstrasse bis zum Schwanen. Ein Bus in der Bildmitte nutzt den ersten angeschriebenen Bus-Platz (Haltestelle VBL anstelle unserer guten alten Bell-Strassenlampe). Der Platz ist voll mit Cars und eingeklemmten Autos. Fussgänger - was ist das - versuchen sich mit Spiessrutenlaufen. Selbst auf der offiziellen Haltestelle der VBL vor dem Cafe de Ville ein Car, der seine Gäste auf die Gasse entleert.
Und weit und breit keine Polizisten, keine Hilfspolizisten - keine Einweiser - keine angelernten Einweiser.
Kurz gesagt keine Ordnung oder etwas länger gesagt eine Sauordnung.
Dies haben wir nun davon, wenn wir Konzepte mit Büroplanern entwickeln, die den Schwanenplatz erst nach 23 Uhr zu Gesicht bekommen.
Uebrigens: das realisierte Siegerprojekt am Schweizerhof heisst "Flux" - na ja.
kuehni | 11 August, 2010 08:03
Kritiklose Zeit nenne ich dies. Da liest man in der Presse von diesem unglaublichen Schweden, der mit dem unglaublich geilen AMG-Tuning Fahrzeug für unglaubliche über 300000 Franken Schweizer Strassen mit unglaublichen 290 km/h befuhr. Total gut. Sicher in facebook zu sehen oder sonst glorifiziert.
Die dummen Polizisten mit ihren Budget-Karren haben eh keine Chance auf Verfolgung, ganz abgesehen davon, dass dies wohl einem durchschnittlichen Polizisten doch zu schnell wäre. Da zieht man sich doch so einen Kommentar vom Sprecher der dummen Freiburger Polizei so richtig genüsslich rein, wenn dieser meinte:
"Es gab keinen Grund, ihn in U-Haft zu nehmen"
Der oberdumme Polizeisprecher der dummen Freiburger Polizei - Monsieur Benoit Dumas - meinte offenbar weiter dazu:
"Er stellte keine Gefahr für andere Menschen dar...."
Das müssen wir dem Sprecher der dummen Freiburger Polizisten wohl so abnehmen. Bei welcher Geschwindigkeit beginnt wohl die Gefahr für andere Menschen - bei einem Bremsweg von über 500 Metern? So umzugehen mit den Uebertretungen wird uns wohl auf eine ganz neue und obergeile Schiene bringen. Nachdem offensichtlich das Auto bei diesem Schweden aus der Portokasse bezahlt wurde, und man eine Busse von bis zu einer Million mehr oder weniger erfolgreich wird eintreiben wollen, besteht kein Grund, so einen Menschen aus dem Verkehr zu ziehen. Abertausende von Gesetzen hierzulande funktionieren nicht, auch für die primitivsten Dinge wie Geschwindigkeitsübertretung um satte 170 km/h nicht.
Man hätte ja wenigstens warten können, bis die Busse bezahlt ist. Und dass die Gefahr besteht, dass durchreisende Europäer hier in der Schweiz tausende von Knöllchen liegen haben, die nur Aufwand, aber keinen Ertrag gebracht haben und die Rechtshilfe meist nicht oder nur schleppend funktioniert, ist aus der Vergangenheit ja wohl klar genug geworden.
Im Falle von 290 km/h - dies ist das 2.41-fache der erlaubten Geschwindigkeit von 120 km/h - wäre eine unbedingte Gefängnisstrafe wohl die einzige Massnahme, die dem Raser Eindruck machen dürfte. Chance vertan, aber schönes Auto zum ansehen, das reicht wohl der Freiburger Justiz - na bravo!
kuehni | 07 August, 2010 13:27
Seit einigen Wochen glänzt der Zuckerbäckershop aus der Bachmann Dynastie am Kopf der Hertensteinstrasse an der Alpenstrasse. Was am Anfang zu vermuten war, sieht man jetzt augenfällig. Von zuerst euphorisch zahlreich hingestellten rosarot gekleideten Damen des offiziellen Zuckerbäckers der Stadt sind heute nur noch wenige zu sehen. Der Laden war bisher immer leer, zumindest für eine goldige Rendite. Nicht das Angebot mag dafür schuld sein - nein, dieses ist nach dem Gusto des erfolgreichen Zuckerbäckers wie immer sehr vielseitig - doch hier?
Ausgerichtet auf Take Away (mehrfach gescheitert im Löwencenter vom Konkurrenten Hug) und den üblichen Süssigkeiten, erhoffte man sich hier auf Gold zu stossen. Die Kundschaft, die sich dafür eignet, hielt sich allerdings auch bisher seltener an diesem Ort auf. Da wo Wunschlisten in Geld umgemünzt wurden, um künftige Ehepaare zu erfreuen, sollte nun plötzlich der Fast Fooder durchkommen.
Die Gestelle voll mit Zöpfen und allerlei Brot, wie es vom Hug im attraktiv über Parking erreichbaren Löwencenter seit grauen Jahren im Angebot ist, mussten die Kunden vom Hug weglocken. Das ist aber jetzt doch etwas schwieriger. Von der Passantenlage im Bahnhof total verwöhnt, scheint unser Bachmann junior hier seine Sporen erstmals hart verdienen zu müssen. Ein Passant meint dazu: "Durch Querfinazierung wird er dies wohl durchhalten". Die Frage bleibt nur, wie lange. Eine Passantin meint: "Dieses blöde Menschengrosse Werbematerial auf der Gasse..."
Nun, dafür war bisher unser Stadtarchitekt Jean-Pierre Deville zuständig. Was für Sonnenschirme und Mobiliar an der Bachmann-freien Reuss gilt, ist wohl für unseren städtischen Lieblingsbäcker kein Problem. Also raus mit dieser Werbetrommel.
kuehni | 07 August, 2010 12:56
Eine Feuerwehrübung? - eine Katastrophenübung? - einfach die letzte Möglichkeit ohne Nadelsetzgerät? - Die Antwort heisst Jein. Einerseits konnte man das Längswehr doch aufmachen, aber nicht mit Fanger Sachseln. Nein, von Menschenhand wurden die Bretter aus dem Wasser gezogen. Damit hat das Wehrprojekt bewiesen, dass es fehlertolerant ist. Denn dieses Szenario entspricht dem Fall, wenn das Nadelsetzgerät nicht funktioniert.
Das offenbar nicht (noch nicht) funktionierende Nadelsetzgerät, eventuell sogar das nicht (noch nicht) existierende Nadelsetzgerät war nicht auf dem Platz, als die Bretter gezogen wurden. Getreu nach der Devise, keine Menschen zu gefährden, hat man es doch geschafft, die Längswehrbretter aus dem Wasser zu bekommen.
Eigentlich gut so, denn gemäss Ernst Deubelbeiss ist ja nur noch mit einer 5-fach geringeren Wahrscheinlichkeit mit einer Ueberschwemmung zu rechnen, und für die Routine ist dies wohl eher schlecht. Durch die neue Wehranlage sei alles viel weniger gefährlich, so Deubelbeiss. Er bezog sich dabei auf das zu späte Entfernen der Stirnwehrnadeln im Jahr 2005 und somit weniger auf das alte Längswehr, denn dieses konnte einer alleine öffnen. So ideal wurde dies vor 150 Jahren in die Reuss gebaut. Wenn dieses Oeffnen allerdings verschlampt wurde, wie dies im Jahr 2005 der Fall war, dann musste der Selbstzerstörungsmechanismus des Längswehrs dies selbst tun. Baudirektor Max Pfister weinte (gemäss eigenen Angaben zur Presse), als er von seinem Büro im Finanzdepartement zusah - virtuell zusah, denn direkten Blickkontakt hatte er ja bekanntlich nicht.
Nun, nachdem diese Woche kein Nadelsetzgerät weit und breit sichtbar war, mussten die Bretter aus dem Wasser. Einige Tage zuvor am Längswehrträger festgeschraubt, mussten diese Verankerungen alle wieder gelöst werden. Die -Gott sei Dank - noch nicht rostigen Schrauben raschmöglichst entfernt, mussten doch einige Leute ans Werk, um die Bretter rauszukriegen. Ueber Rückenschäden stand bisher in der Presse nichts zu lesen.
Gefährlich ist dies natürlich nicht, auch dann nicht, wenn hier keine Sicherheitsleine vor dem herunterfallen schützt - das ist ja wohl klar, oder?
Folgendes Bild zeigt das Resultat. Für 27 Kubikmeter/Sekunde mehr Abfluss dürfte die Rechnung fast einem Polizeieinsatz beim FCL gleichkommen.
Brauchen wir das ominöse Nadelsetzgerät noch? Man müsste die Bretter nur durch einzelne Nadeln ersetzen?
Die Bauherrschaft hat den Reussgrund um über einem Meter abgesenkt. Die obere Linie des Wehrs dagegen ist in etwa auf der gleichen Höhe. Die daher um einiges längeren Bretter sind deshalb auch in Nadelform wesentlich schwerer als die alte Konstruktion, also das Problem bleibt.
(c) Peter Kühni
Für Handarbeit müsste man wohl hier noch über die Bücher.
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