Balkonias Urwaldtipps

Kolumne von Marietta Büller alias Balkonia

Wieviele Unterhosen braucht der Mensch ?

marietta | 23 August, 2010 16:33

Balkonia, 22. August 2010

„Was suchst Du?“ fragt Balkonia,  noch total unausgeschlafen, ihren liebsten Peter. Der ist grad dabei sämtliche Kleiderschränke zu durchwühlen. Irgendwie wirkt er gestresst, wahrscheinlich hat er einen Termin und sucht nach seiner einzigen Krawatte, denk ich mir, und döse weiter. Die Wühlerei hört nicht auf und ich fange an mich etwas zu wundern, schliesslich ist es Peter extrem egal was er an hat. Hauptsache es engt ihn nicht ein. Notfalls würde er sogar ein Blümchenhemd tragen und rote Socken mit Schweizerkreuz drauf. Ich glaub er würde sich erst bei Lederhosen oder bei Frack vehement wehren. Zu Smoking könnte man ihn wohl problemlos überreden, jedenfalls dann, wenn seine liebste Balkonia sagt, er solle doch mal den schwarzen Kittel anziehen, das mit dem komischen Revers würde er ziemlich sicher nicht wahrnehmen. Seit zwanzig Jahren versuche ich ihm beizubringen, dass man zu blauen Hosen braune Schuhe trägt und nicht schwarze. Seither kauft er nur noch schwarze Hosen. Problem gelöst „dem Inschenjör iss nix zu shwör“, aber heute hat er wirklich ein echtes Problem. Peter hat keine Unterhosen mehr, was seinen Grund hat. Balkonia darf nämlich seit drei Tagen packen für unsere jährlichen Ferien. Die dauern eine Woche. Früher hab ich sechs Wochen vor Ferienbeginn gepackt, was auch in unserem Freundeskreis auf Unverständnis stiess. Wenn Balkonia packt, liegen in der ganzen Wohnung Merkzettel rum, was so alles mit muss. Fiebermesser, Sonnenbrille, Taschenmesser und Ersatzknöpfe mit Faden, alles kriegt einen Kleber drauf. Aber seit diesem Jahr darf ich halt leider erst zehn Tage vor Abreise Koffer füllen, was für  mich ziemlich Stress bedeutet. Nur schon die Rechnerei. Wir fliegen am Sonntag ab und kommen am Sonntag drauf wieder hier an. Wie viele Tage sind das?  Sieben, acht oder nur sechs?

Rechnen war nie so mein Ding, aber Balkonia weiss genau, dass Peter nach jedem Duschen neue Unterhosen anzieht. Wir machen Ferien in Ibizza  und dort ist es noch immer ziemlich heiss. Ich gehe von einem Duschdurchnitt von drei Mal pro Tag aus, also 8x3 ergibt ungefähr 24 Unterhosen pro Tag plus Aussergewöhnliches wie Rotwein über die Hosen kippen und was weiss ich was so alles passieren könnte. Mit anderen Worten: ich hab sicherheitshalber alle Unterhosen von Peter in den Koffer gepackt, ausser die, welche er grad anhatte. War wohl ein Fehler!

Peter hat aus dem Koffer seine Unterwäsche rausgekramt, ist arbeiten gegangen und hat sich dann noch zwanzig seiner Lieblingssorte für den Mann zwischen Bauchnabel und Oberschenkeln gekauft und diese im Tresor eingeschlossen. Wo der Schlüssel zu dem schweren Ding ist hat er mir verheimlicht, nun ja, jetzt muss er erst in den Keller um an die Wäsche zu kommen, dort steht nämlich der Tresor.

Balkonias melden sich in etwa einer Woche wieder, bis dann ist auch der Koffer –es wurde nur einer bewilligt- ausgepackt und ich werde bis dann wohl einen Schrank geleert haben, damit so um die 80 Unterhosen Platz drin haben.

Balkonia wünscht sich, dass uns alle schöne Ferien gönnen, Peter hat mit versprochen, dass er mir eine Luftmatratze kauft, obwohl er immer glaubt dass ich mit so einem Ding in Afrika landen werde. Keine Bange, ich schwimme sehr gut, ausser Cornelia Castelli hat mich nie eine geschlagen im Überwasserbleiben.

Eure Balkonia

 

Für Jugendliche unter 18 Jahren nicht geeignet

marietta | 09 Juli, 2010 17:19

Balkonia Juli 2010

„hallo Balkonia“, werde ich herzlich begrüsst, Peter und ich machen uns einen Apero, er ist bester Laune, kneift meine süsse kleine Kaloscha  (weiblich, Katze, 9,2 Kg)  in ihren kuscheligen Fettbauch und knudelt gleichzeitig die unterernährte Daisy mit seinen Füssen, der Peter ist heute wirklich sehr, sehr gut aufgelegt, er hat für seine Kunden kreative Arbeit geleistet, die geschätzt wurde, und einen Weiterbildungskurs besucht an dem er einen tollen Preis gewonnen hat, den wir zwar nicht gebrauchen können, aber Vera und Pietro schon. Das Wort „Grillen“ erinnert mich vor allem an lautes Gezirpse in Südfrankreich, welches die Biester in der Nacht von sich geben und das nur um eine Partnerin zu finden, was offensichtlich klappt. Ansonsten erinnert mich das Wort grillieren immer an verkohltes Fleisch und Barbequesaucen, die grundsätzlich mit reichlich Knoblauch durchsetzt waren, was intimere Beziehungen für mich ausschlossen. In dieser Hinsicht ist Balkonia ein Vampir. Bloss kein Knoblauch und als Lektüre aus der Bibel mag ich nur gewisse Artikel im alten Testament.

Womit wir beim Thema wären.

Peter schaut mich an und stellt fest, dass mein Tag wohl nicht so doll war. „Du bist so nachdenklich, was ist los?“
„Och, nur die Baustelle nebenan macht mir Sorgen, vor allem die Menschen, die dort arbeiten müssen, für uns ist der Lärm ja irgendwann mal vorbei, aber die Arbeiter kommen dann zum nächsten Umbau und stehen dann wieder zwölf Stunden am Tag dort und immer einem Presslufthammer zwischen den Beinen, kein Wunder sterben die Schweizer langsam aber sicher aus“.

Peter meint zu Recht, dass nicht alle männlichen Schweizer den ganzen Tag mit einem Pressluftvibrator auf einer Baustelle stehen, räumt allerdings ein, dass das in Zukunft wohl eher der Fall sein wird, schliesslich sparen wir immer mehr an der Bildung, die gescheiten Leute holen wir uns aus dem Ausland, aber was das mit dem Fortbestand der Schweizer zu tun hat kapiert er nicht.

„Glaubst Du, dass so ein Chrampfer nach Feierabend (18.30 in der Altstadt plus Samstag) zu seinem Schätzi nachhause kommt, ihr ein Blümchen mitgebracht hat und sagt, dass er heute koche und nach dem Essen so richtig Lust hat, sie auf dem Sofa so lange zu vögeln bis sie schwanger ist? Da haben diese Analytiker wohl Recht.“

„Das sind nicht die Analytiker, obwohl es eigentlich zum Thema passen würde. Analytiker denken nämlich mit dem Füdli, wie das Wort ja sagt. Die heissen glaub anders, die,  wo ausrechnen wie lange es dauert bis Regenwürmer, Schweizer oder weisse Löwen ausgestorben sind, nennen sich glaub Statistiker“

Peter stellt sich in die Küche und macht einen Topf voll Salatsauce, Balkonias Erachtens die beste der Welt, aber ganz bei der Sache ist er nicht, sein Hirni  durchforstet Berufsbezeichnungen, welche zutreffend sein könnten.

„Demografen!“, kommt Balkonia in den Sinn.

„Den Beruf gibt es nicht, es gibt Demografie, aber keine Demografen, glaub ich wenigstens“, meint Peter und erinnert sich daran, dass Salz in die Salatsauce gehört.

Wir essen friedlich Znacht miteinander, studieren das TV-Programm und entscheiden uns für einen Polizeiruf aus dem Jahr 1984, damals in der DDR war die Welt noch in Ordnung, keine Arbeitslosen, keine Ausländer, Kinderkrippen, pro Kind monatlich eine Banane, geregelte Arbeitszeiten, keine lästigen Gewerkschaften, es fehlte eigentlich nur eins: Freiheit!

Balkonias wollen mit allen Leserinnen und Lesern auf ein menschenwürdiges Leben aller anstossen und sei es nur darum, den Zukunftszahlenforscher eins auszuwischen. Sehr viel braucht es dazu nicht. Vernünftige Arbeitszeiten, Löhne, die es erlauben seinen Kindern eine Zukunft zu finanzieren, selbst dann, wenn Sie versehentlich ein intelligentes Kind bekommen, dass Matura macht und studieren will, muss ja nicht grad Demografie sein, sollte das in unserem Land ja möglich sein.

Liebe Grüsse und bis bald, ausserdem verspreche ich, dass ich in Zukunft die militanten Kinderwagenstosser nicht mehr mit meinem Einkaufswagen rammen werde.

Eure Balkonia

Der Regenwurm als Haustier - ein Interview

marietta | 22 Juni, 2010 09:35

Der Regenwurm als Haustier

20.06. 2010

Vorerst möchte sich Balkonia ganz herzlich für die vielen Mails, teilweise mit Fotos  von Ihrem Haustier, bedanken. Aus den 123 Angeboten, ihr Haustier zu besichtigen und ein Interview mit dem Mami oder Papi des Lieblings zu gewähren, hat sich Balkonia für Herrn Brandmann (richtiger Name der Redaktion bekannt) entschieden.

Damit sich die Sache leichter liest, habe ich meine Fragen normal geschrieben und die Antworten etwas fetter.

Vielen Dank Herr Brandmann, dass sie sich Zeit genommen haben um über ihr Haustier zu plaudern. Als Politiker haben sie ja bekanntlich nicht förig Zeit.

Guten Abend Balkonia, ich freue mich sehr, endlich mal über Budddel sprechen zu können, meine Familie hat sich mehr als gewundert über meine Zuneigung zu ihm, aber er ist für mich der einzige, der mir zuhört, mich versteht und dankbar ist, dass ich ihm das Leben gerettet habe.

Wieso haben sie ihm das Leben gerettet?

Na, ich kam abends nach einem heftigen Gewitter nach Hause, beim Abstellen meines Velos hab ich ihn gesehen. Es war Liebe auf den ersten Blick. Er räkelte sich in einer kleinen Pfütze die sich in einer Mulde eines Steins gebildet hatte. Ich lockerte dann den Stein etwas, putzte ihn unten mit meinem Tempotaschentuch und habe so Stein und Regenwurm in mein Hausbüro gebracht.

Und was hat das mit Lebensrettung zu tun?

Na, ich wohne an der Vogelstrasse, wenn sie wissen, was ich meine.

Nein, ehrlich, da komm ich nicht drauf.

Vögel fressen Würmer!

Ach, hat es hier Adler, Habichte oder so?

Nein, natürlich nicht, aber es hat schwarze, bunte und freche Vögel hier, wobei die Menge der Spatzen sich in Grenzen hält, aber die Krähen und Elstern sind besonders gefrässig.

Darf ich Buddel mal sehen?

Er fremdet etwas, aber wir können es ja versuchen, kommen sie in mein Büro. Schauen sie, da lebt er!

In dieser Salatschüssel?

Es war das Einzige, welches ich in unsere Haushaltung fand das durchsichtig und elegant aussah.

Und was füttern sie ihm?

Ich verlasse mich da ganz auf die Natur, der Erdberg ist vom Biogärtner und wenn es draussen regnet kriegt er Regenwasser, welches ich sammle, aus der Giesskanne, dann füllt sich auch die Mulde seines Steines wieder und er ist glücklich.

Ziemlich anspruchslos ihr Haustier!

Ja, ach wären auch alle meiner Wähler so, dankbar, zufrieden und mit so wenig glücklich.

Woher wissen sie eigentlich, ob ihr Buddel ein Männchen ist?

Ich weiss das halt, es heisst der Wurm oder haben sie schon mal die Würmin gehört?

Herr Brandmann macht sich weitere Notizen auf seinem Block.

Was schreiben sie sich da dauernd auf?

Arbeit für meine Sekretärin  morgen, vielleicht braucht er eine Partnerin, darüber habe ich nie nachgedacht. Meerschweinchen dürfen laut Gesetz, ich bin ursprünglich Anwalt, nur zu zweit gehalten werden. Für Regenwürmer gibt es kein Gesetz, da bin ich mir sicher aber ich möchte ja nur das das Beste für Buddeli.

Haben Sie sich schon mal überlegt, wie viele Artgenossen und Artgenossinnen ihres Buddels umgebracht werden auf ihren vielen Baustellen, hier in dieser kleinen Stadt ?

Ja, allerdings, ich bin dann immer tief betroffen, kann nicht einschlafen, weshalb ich dann jeweils bei Budeli auf dem Bürostuhl so vor mich hindöse. Das bin ich mir gewohnt, allerdings meistens während der normalen Arbeitszeit.

Das tut mir leid, Herr Brandmann, aber sie als Baudirektor hätten doch die Möglichkeit, etwas für den Überlebensraum ihrer Lieblinge zu tun.

Sie verstehen nichts von Politik, wir Politiker müssen in die Zukunft investieren, dazu gehören zeitgemässe Gebäude, Autostrassen und Parkmöglichkeiten, um das Überleben von bedrohten Lebewesen, müssen sich die Bürger selbst bemühen. Wenn da alle mithelfen würden, hätten viele Buddelis eine echt grosse Chance. Als Politiker habe ich jetzt einen Antrag gestellt, dass die Raupen der Baumaschinen den Würmern mehr Überlebungsmöglichkeiten geben, aber das kostet viel Geld und da müssen unsere Stimmbürger erst mal zustimmen. Das wird schwierig, wer interessiert sich schon für Regenwürmer, nicht mal meine Frau versteht das. Ohne Buddel fühle ich mich total einsam.

Das kann ich nachvollziehen, mein Mann und ich könnten uns ein Leben ohne unsere Katzen auch nicht vorstellen. Im Gegensatz zu ihrem Haustier kann man die auch streicheln, sie schnurren, schmusen wenn sie glücklich sind und reklamieren, wenn ihnen was nicht passt.

Buddeli schnurrt zwar nicht, aber etwas schmusen können wir bestens miteinander. Wenn er richtig  lieb ist in meiner Hand, kriegt er am nächsten Tag einen neuen Bioerdehaufen.

Und, reicht das ihm?

Na, hören sie mal, Frau Balkonia, ich liebe ihn zwar, aber er ist und bleibt ein Wurm. Würmer sind schon dankbar, wenn wir Politiker ihr Leben retten, mehr kann ich nicht tun für Buddel, das Gleiche gilt für meine Wähler, die ich auch alle sehr lieb habe und ihnen einen Überlebensraum biete.

Herr Brandmann, ich bedanke mich sehr für ihr offenes Gespräch und wünsche vor allem ihren Würmern eine gut Lebensqualität.

Ich danke ihnen auch, liebe Balkonia, dass ich endlich die Möglichkeit erhalten habe als Menschen- und Tierfreund verstanden zu werden.

Ende des Gesprächs, Herr Brandmann kümmert sich jetzt um die richtige Beleuchtung (Strassenlaterne) für Buddel und ich bitte alle meine Leser: Helft mit den Regenwurm zu retten!

Die erste Demo findet am Samstag, 26. Juni ab 17.00 Uhr auf dem Petersplatz statt.

Alle Adressen, Namen und sonstige Angaben zu Herrn Brandmann sind gefälscht. Sollte es zu Vermutungen kommen, wären diese an den Haaren herbeigezogen.

Balkonias wünschen allen viel Spass mit Ihren Haustieren und falls jemand ein neues will, Katzen sind störrisch wie Esel, Deutsche Schäferhunde gehorsam und Regenwürmer sind so ziemlich mit allem zufrieden. Andere Würmer übrigens auch.

Bis bald

Eure Balkonia

Bauernregeln für Städter

marietta | 06 Juni, 2010 15:14

6. Juni 2010

Nun ist Witze erzählen ja nicht grad Balkonias Spezialität, aber für den folgenden Text hilfreich.

Ein Deutscher, ein Franzose, ebenso ein Italiener und einer aus der Schweiz hirnen darüber nach, woher die Kinderchen kommen. „die bringt der Storch, ist doch klar“ doziert der Mann aus Deutschland und kriegt sofort Streit mit dem Franzosen, der weiss es nämlich  aus erster Hand, die Bébés wachsen im Kohlkopf, weshalb sie anfänglich auch so blöd sind. Der Italiener weiss aus eigener Erfahrung, dass die Sache was mit „Amore, Amore“ zu tun hat. Bevor die drei sich die Köpfe einschlagen, fragen sie noch den ach so neutralen Schweizer. Der murmelt:

„Bei uns ist das von Kanton zu Kanton verschieden!“

Mit Bauernregeln ist das ähnlich. Balkonia wuchs in der Stadt Luzern auf, Peter in Langnau, Bern. Kurz vor Pfingsten fing mein Liebster damit an, den Schweizer TV-Sender einzuschalten, sass schimpfend vor der Leinwand und das nur, weil dieser Sender ja bekanntlich eine Dauerwerbungsanstalt ist, aber, haben ihm Freunde erzählt, dass auch ab und zu Nachrichten kommen und die Wetterprognose. Auf letztere war er scharf. Balkonia sass auf dem Sofa, wurde von Werbern belehrt, dass Wäsche auch bei Minusgraden sauber wird, ansonsten hab ich mir überlegt, wo die nächste Irrenanstalt ist, nur weil Peter anfing Bsetziböle auf der Strasse zu klauen und in unserer Wohnung zu stapeln. „Den nächsten Werber erschlag ich“ kündigte er an, als grad ein "jöööh Bébé" mit Windeln durch eine blitzblank saubere Wohnung krabbelte, was scheint’s nur geht mit der Marke „Windelweich“. Dann kamen sie endlich, die Vorhersagen fürs Wetter. Eine frierende Fee (Feen gibt es nur in Märchen und bei Wahrsagern) stand auf einem Hausdach in Zürich und hat mit klappernden Zähnen versprochen, dass an Pfingsten alles gut werde, jedenfalls was das Wetter betrifft. Peter war zufrieden und wir haben uns auf einem werbefreien TV-Sender einen total spannenden Krimi angeschaut. Dort gab es glaub sogar einen Toten und viele Kommissare, die allesamt private Ehe- oder andere Probleme hatten, die sie nicht lösen konnten, weil sie einem Mörder hinterherlaufen mussten. Als der endlich hinter Gittern sass, waren zwei Ehen geschieden und der Freund der hübschen Polizistin hat sich als Katzenfreund geoutet, obwohl er von der Miezenallergie seiner Angebeteten wusste.

Alles sehr, sehr tragisch.

Peter hat das alles nicht berührt, während Balkonia ein halbes Päckli Tempo Nastüechli verbraucht hat, war er überglücklich. An Pfingsten gibt es schönes Wetter! Zur Feier des Abends hat er die Heizung abgestellt und ist fröhlich mit der Katze im Arm durch die Wohnung gehüpft. Nachdem ich den nächsten Tag mit drei Pullovern und Winterschals hier verbracht habe um Telefonanrufe zu beantworten und weiterzuleiten, kam Peter nach Hause. Noch immer sehr gut gelaunt. An Pfingsten werde es schön warm und wenn es an Pfingsten schön warm sei, werde es sieben Wochenende genau so sein. Bauernregel aus Langnau.

Hat Pilatus einen Hut
Wird das Wetter gut.
Hat er einen Degen
Gibt es sicher Regen

Stadtbauernregeln aus Luzern, sag ich schlotternd vor Kälte. Peter hat dann die Heizung wieder angeschmissen, meine Laune hat sich sehr verbessert und das Erfreulichste: an Pfingsten war schön Wetter! Hoffen wir das Beste,  Glaube versetzt bekanntlich Berge und wenn dabei Feen, Hexen und Frösche mithelfen, haben wir bald frei Sicht aufs Meer.

Balkonias wünschen allen einen warmen sonnigen Juni, muss ja nicht nur am Wochenende sein und wenn es mal kälter wird, kuschelt Euch lieb zusammen, wir müssen ja Gott sei Dank keinen Gangstern hinterher rennen.

Bis bald Eure Balkonia

Maulkorbjournalismus

marietta | 02 Mai, 2010 15:53

Ho, ho, Ho Chi Minh! Ho, ho, Ho Chi Minh!

Nun ja, diesen Tag hatten wir gestern.

Alles wie seit Jahrzehnten, selbst für den guten Alten aus Kuba, namens Che, hat sich bis heute kein Ersatz gefunden, obwohl der Herr Gaddafi in jungen Jahren auch sehr, sehr sexy aussah und doch endlich mal für neue T’Shirts sorgen könnte. Man kämpft um Friede, Freude, Eierkuchen und vor allem nach gerechten Löhnen. Das Wichtigste war früher die Pressefreiheit. Soweit wie das Balkonia beurteilen kann, hat sich sehr viel geändert seit den Sechzigern und ihren legendären Demos. Die Löhne sind wirklich enorm gestiegen, leider aber gleichzeitig auch die Wohnungsmieten, Lebensmittel und über die Gesundheitskosten. Und über alle möglichen neuen Steuern möchte ich mich hier nicht äussern. Inzwischen werden auch keine Kriege mehr geführt, sondern die Soldaten opfern ihr junges Leben für  Frieden, Freude und Eierkuchen und das in allen möglichen Ländern. Bevor sie totgeschossen werden, belabern sie unermüdlich und vor allem aus totaler Ueberzeugung heraus gläubige Muslime, dass ihre Frauen und Töchter wesentlich hübscher aussehen ohne Kopftuch.

Was sich in Luzern sicherlich nicht geändert hat, ist das Problem mit der Pressefreiheit. Balkonias kleine Schwester Vera hat damals als Journalistin der LNN von höchster Stelle jeweils Listen mit Wörtli drauf gekriegt, die sie nicht schreiben durfte, zum Beispiel Pudel, Seebrücke und KKL. Also hat sie sich halt um was anderes gekümmert, was auch nicht gerade auf Begeisterung stiess, obwohl es sich nur um eine ziemlich einfache Rechenaufgabe gehandelt hat: Was verdient eine als Tänzerin im Städtischen Casino und wie viel muss sie für ihr zugeteiltes Zimmer bezahlen. Ohne Champagner- oder Körperverkauf hätte die sich nicht mal eine Tube Zahnpasta kaufen können. Die Journalisten waren damals mutiger und ziemlich einfallsreich, wie sie mit List, am Chefredaktor vorbei, solche unerwünschten Artikel in die Zeitung kriegten. Michael Rignier hat dann überstürzt seine Ferien abgebrochen um der Stadtregierung zu versichern, dass sein Blatt die Stadt auf keinen Fall als Zuhälter bezeichnen würde.

Jetzt muss die Regierung in Luzern nur noch eine Zeitung unter Kontrolle haben. Und glauben Sie, liebe Leser und Leserinnen, dass die sich heute trauen würden, was Vera 1988 bereits geschrieben hatte, nämlich, dass sie aus ihrer ziemlich langen Zeit in Paris den Jean Nouvel sehr gut kenne und vor allem, wie lang seine Bauten in der Regel halten, nämlich so um die zehn Jahre rum. Der Artikel wurde nie gedruckt.

Balkonia wünscht allen einen Mai mit Frieden, sehr viel Freuden und Schoggimaikäfern, kündigt Eure Abos von regierungsfreundlichen Zeitungen und kauft die unabhängige Gassezytig. Da Todesanzeigen bis jetzt noch nicht zensiert werden, lesen Sie diese in der Beiz, das schafft Arbeitsplätze und spart Geld, da man in den meisten Beizen nicht mehr rauchen darf. Ein Tipp für die Reichen: im Pinocchio (Hirschenplatz) hat es Zeitungen und Aschenbecher.

Eure heute mal politische Balkonia

Tierliebende Sonntagssünder

marietta | 11 April, 2010 16:22

11. April 2010

Balkonias Schwester Vera und ihr Mann Pietro haben die Angewohnheit einmal pro Woche zu sündigen und das erst noch am Sonntag. Sie schlafen dann etwas länger, stehen somit erst etwa um 07.00 Uhr auf! Das hat fatale Folgen für den ganzen Tag. Zuerst muss die halb verhungerte Katze namens Pudel getröstet werden, das kann dauern! Streicheln, füttern, nochmals streicheln, kraulen und dann die Türe zum Garten öffnen. Dort brüllen inzwischen sämtliche Blümchen, Bäume und Grashalme nach Wasser und je nach Rasse auch nach Streicheleinheiten. Da der Ligornette Garten sehr gross ist wird es fast Mittag bis alles erledigt ist und Vera plus Pietro haben immer noch ihre Pyjamas an. Um so richtig Reue zu zeigen, verzichten sie dann auf Zmorgen und Zmittag, es wird einfach beides zusammengelegt. Pyjizmorgezmittag nennen die das dann. Dazu gibt es pro Person ein weich gekochtes Ei aus Mark Steffens Hühnerzucht. Sechs Hühner, zwei davon legen noch Eier, die anderen sind bereits in den Wechseljahren. Na, letzten Sonntag, es war Ostern, hat Marks Buchhalter Benno mal ausgerechnet, was so ein Hühnerei wirklich kostet. So gegen sechs Franken, Arbeitszeit nicht inbegriffen.

Dass Balkonia die Welt nicht verbessern kann, was Tierhaltung angeht, ist mir klar. Aber eine Firma EMMI könnte dazu ein wenig beitragen. Die 100 Millionen Subventionen, welche wir Steuerzahler der Firma jedes Jahr schenken, sollten es doch ermöglichen, dass auch der Bauer mal genügend Geld für seine Milch bekommt, so, dass er einen Pyjamasonntag geniessen kann, weil er  am Sonntag eine Aushilfe entlöhnen kann. Marks Hühnerzucht ist sicherlich kein Musterbeispiel, schliesslich arbeitet er die ganze Woche als Rechtsanwalt und Notar in Luzern und kann sich nur in der Freizeit um die Tiere kümmern, das macht sonst liebevoll und zuverlässig seine Frau Monika, aber dass ein Hühnerei mehr als zehn Mal billiger ist, als Balkonias Ziagerettenpäckli und ein Liter Benzin mehr als das Doppelte von einem Liter Milch kostet ‚ ist doch der wahre Irrsinn.

So, und jetzt fertig mit Eiern und so, Ostern ist endgültig vorbei für dieses Jahr, aber seid trotzdem lieb miteinander und streitet Euch bitte nicht über höhere Eier- oder Milchpreise. Diese Bitte geht auch an die Firma EMMI.

Balkonias wünschen allen einen schönen Sonntag, ob im Pyjama oder im Morgenmantel und überlegt mal ob Ihr nicht ein Plätzchen für einen Hasenstall auf Eurem Balkon einrichten könntet, aber rechnet bitte nie aus, was Euer Häschen kosten würde, wenn ihr es gewinnbringend verkaufen würdet. Unser Regierungsrat „Säulitoni“, wie Anton Schwyngruber liebevoll genannt wird, kann sich ja in dieser Zeit mal überlegen wie seine näheren Verwandten gehalten werden hier im Kanton Luzern.

Bis bald Eure Balkonia 

 

Osterbräuche

marietta | 03 April, 2010 10:58

Karfreitag 2010

In Balkonias Elternhaus wurde Ostern gefeiert wie blöd. Schon Wochen vor dem grossen Fest wurde eine Unzahl an Eiern beim Nachbarbauern, namens Haas! reserviert. Dort, wo heute Eigentumswohnungen in der Form von halb offenen Schubladen stehen, in denen sich die Reichen der Stadt gegenseitig als dummes Huhn, eingebildeter Gockel etc. bezeichnen, lebten damals recht friedlich die Hasen, wie sie liebevoll von der Balkoniafamilie genannt wurden. Die Hühner, welche für die Hasen die Eier legten, hatten einen männlichen Chef, der sie verteidigte und versuchte für Nachkommen zu sorgen, was für Ostereier ziemlich lästig ist. Kein Mensch malt die Verpackung kleiner süsser Bibelis an, schon gar nicht, wenn die Eier wie Kunstwerke aussahen und dementsprechend nicht gegessen wurden, sondern gesammelt. Die Befruchteten erkannte man erst ziemlich spät nach Ostern als solche. Die platzten dann und verbreiteten danach einen sehr, sehr unangenehmen Geruch. Welches Ei als Kunstwert erklärt wurde bestimmte die Familie. Ziemlich viele haben sich dann als Geruchsbomben geoutet. Balkonias Schwester Nini hat noch eins von mir, da ist mein Hund Florian draufgemalt. Der Hund starb vor ca. dreissig Jahren.

Balkonias Vater „Kabu“ hat vor allem die ganze Landschaft um unser Haus rum auf die Eier gemalt, so richtig schön mit See und Pilatus. Halb- oder ganz nackte schöne Frauen waren auch ein Thema. Na, jedenfalls waren unsere Weekends voll ausgelastet. Gusti stand dann stundenlang in der Küche und hat Eier hart gekocht. Die, welche die Prozedur nicht unbeschädigt überstanden hatten, gab es zum Znacht. An Ostern konnte dann keiner von uns mehr auch nur ein einziges Ei essen. Tante Iris hat immer Ausgeblasene mit Blümchenmuster gebracht, die wurden dann an einem Mistelzweig an den Deckenleuchter montiert. Kabu hat dann - je nach Wetter - im Garten oder im Haus, auf vorgefertigten Plänen Kreuzli gemalt, wo was versteckt wurde. Wahnsinnig penibel hat er das nicht gemacht, jedenfalls haben wir regelmässig mitten im Sommer zu Brei verschmolzene Schoggi Osterhasen in Gebüschen oder unter Apfelbäumen gefunden. Wir Kinder haben dann den Brei in der Goldpapierfolie unter Mithilfe von Zunge und Händen genossen. Dessert gab es bei uns nur am Sonntag. Gusti und Kabu waren sich ja nicht immer einig, was für seine heranwachsenden Töchter gut sei, aber dass Schokolade dick macht, wussten beide - und fette Kinder wollte Balkonias Vater nicht. Gusti war da der gleichen Meinung, schon deshalb, weil sie nicht kochen konnte, es aber leider tun musste. Daher sind wir kulinarisch eher mit dem Minimum aufgewachsen. Was richtig Feines gab es nur an Festtagen. An Ostern ein gefülltes Güggeli für uns vier und so eine Art von Pomfritz, wie das bei uns genannt wurde. Fürs Weihnachtsessen war Kabu zuständig. Das hat er bei Geipels eingekauft.Die hatten ein Feinfood-Geschäft in der Hertensteinstrasse und verkauften vor allem Meeresfrüchte und so. Wenn es mal Hummer gab, mussten wir Schwestern nicht Baden, sondern kriegten Waschlappen und gruusige Seife, während die Tierchen die Wanne benutzen durften. Kam nur sehr selten vor, also nicht jede Weihnachten das Gleiche. Wie viele Hummer wegen Balkonias finanziellen Engpässen überlebt haben, weiss ich nicht mehr.

Balkonias von der Kapellgasse wünschen allen Osternfans friedliche Tage und die Balkonias aus Ligornetto wünschen „auguri, auguri“.

Bis bald, Eure Balkonia

Frühlingsgefühle

marietta | 10 März, 2010 15:24

März 2010

 

Nun liest Balkonia ja bekanntlich wahnsinnig gerne Kontaktanzeigen. Seit das Internet intensiver benutzt wird, beschränken sich die Anzeigen in Zeitungen auf Menschen, die rein altersmässig, zu mir passen würden, die Sortiererei wird damit enorm erleichtert. Die nach Frühlingsgefühlen jungen Süchtigen findet man wohl eher auf dem Bildschirm.

„na" begrüsst mich Peter grinsend, wieder Mal auf Partnersuche. „wahnsinnig interessant, wie sich die unfreiwillig Ungebundenen heute anbiedern. Früher haben sie ihre Körpergrösse, Gewicht und Alter eingegeben, heute BMI und sonst nichts. Die alten Angaben waren für mich verständlicher: Mann in den besten Jahren -70 bis hundert- 192 gross und 75 Kilo schwer. Da wusste man ohne Rechnerei sofort: klappriger Alte sucht schlanke Frau bis etwa 50 Jahre alt", erkläre ich meinem Liebsten.

Eines hat sich in den letzten zwanzig Jahren aber nicht geändert. Alle machen unwahrscheinlich gerne Radtouren oder gehen wandern, am liebsten beides. Ihre Abende verbringen sie im Theater oder besuchen Konzerte, nachher wird noch eine Kleinigkeit gegessen, logischerweise mit einem guten Glas Rotwein. Balkonia stellt sich dann jeweils vor, wie ein Leben mit so einem aktiven Langweiler wäre. Gott sei Dank ist mein Peterli noch nicht in den besten Jahren, er hat Null Bock sich auf einem Fahrradsattel den Wolf zu holen, Wölfe mag er glaub eh nicht, jedenfalls heult er nicht mit denen.

Nachträglich zum Frauentag von gestern, wünscht Balkonia allen die den Wunsch nach einem Partner haben viel Glück, vielleicht findet man ja mal ein ehrliches Inserat.

Mann, ca sechzig, 178 cm lang, übergewichtig, Raucher, total unsportlich. Gehe gerne in die Beiz und schaue mir am Abend am liebsten einen Krimi an. Wäre schön, wenn ich mein Bett anschliessend nicht nur mit den beiden Katzen teilen müsste.

Balkonia wünscht allen Frauen viel Frühlingsfrauenpower und allen und allen Männern, dass sie da mithalten können.

Bis bald

Eure Balkonias

Altstadtbewohner - eine besonders tolerable Rasse

marietta | 10 März, 2010 15:15

Wann brennt’s?

 

Allgemeines zu Bauarbeiten in der Altstadt

Von Marietta Büller

 

 

Neben uns wird das Nachbargebäude ausgehöhlt und innen neu gestaltet. Macht ziemlich sehr, sehr viel Lärm. Nun wurden auch Nachtarbeiten angekündigt, wann diese stattfinden teile man uns mit. Auf meine Frage, weshalb man nachts betonieren müsse und nicht am Tag, bekam ich zur Antwort „tagsüber geht das nicht, da kriegen sie keine Bewilligung von der Stadt, weil sonst die Feuerwehr nicht mehr durchkomme". Betonmischmaschinen und so, seien nicht sonderlich mobil.

Schön, dass sich Brände an das Gesetz halten und nur am Tag ausbrechen, ausser an der Fasnacht und ausserdem, wenn die Stadt der Bauherr ist. Wenn die Stadt baut oder buddelt, kann die Feuerwehr in die Ferien gehen.

9. März 2010

Marietta Büller alias Balkonia

Fasnachtszüglete in den Keller

marietta | 19 Februar, 2010 15:57

Februar 2010 nach der Fasnacht

Balkonia wird von ihrem Peter angebrüllt. Ich verstehe kein Wort, woraufhin er zwei Finger hochhält, sich auf die Brust tippt und einigermassen verständlich und sehr, sehr laut „Geschoss!“ brüllt. Balkonia stellt mal alle unseren Stereoanlagen, die auf Lautstärke Maximum stehen, ab. Angeschossen sieht Peter Gott sei Dank nicht aus, aber irgendwie geschafft. Wer hat geschossen?“ frag ich meinen Liebsten. „Wie bitte?“ brüllt er zurück, obwohl Balkonias Leonard Cohen aufgehört hat zu jammern, der Lärm draussen plus die Presslufthämmer, die unermüdlich unser Nachbargebäude aushöhlen, reichen für Verständnislosigkeit aus. „Keller“ brülle ich und stelle ein paar Getränke, Nüssli, Schoggi und was sonst alles ziemlich ungesund ist in den Lift. Peter kriegt die weisse Katze in die Arme gedrückt und ich schleppe Kaloscha mit ein paar Katzenguetzli plus zwei Stühlen hinterher. Unten ist es fast ruhig und wir machen es uns gemütlich.

„woher kommt eigentlich das Wort Geschoss für Stockwerke?“ sinniert Peter. Wir werden uns bald einig, dass das Wort "Etage" im Lärm nicht sehr verständlich ist, aber auch nicht so kriegerisch wie "Geschoss".  „Typisch Deutsch halt,  die sind sich Geknalle, Militärmusik und Geschrei von Politikern und so gewohnt. Das Wort kommt wahrscheinlich aus den Verteidigungstürmen der Antike, die hatten Scharten und daraus wurde geschossen. „Erdgeschoss sagen wir in der Schweiz auch, lies mal die Zu Vermieten Inserate“, bemerkt Balkonia. „dort werden dann Tretminen verkauft“ meint Peter. Und aus dem Keller namens Untergeschoss wahrscheinlich Bomben, die verbuddelt werden müssen oder Granatäpfel.

Wer Lust hat sich echt weiter zu bilden: eins ist sicher, in Italien haben die Möbelpacker die Etagen benamst, vor allem die Klavierschlepper. Alles schön piano, piano.

Wir haben uns dann daran erinnert, dass wir im Keller noch so zwei Notbetten haben, Peter hat die aufgeklappt, nebeneinander gestellt, Balkonia hat die Bettwäsche, Katzenklo und ein transportables Musikgerät runter transportiert, halb sechs haben die Brrrrrbüsis mit der Umbauerei aufgehört, ich habe ein Klavierkonzert von Chopin in die kleine Musikanlage gesteckt, so haben wir sehr friedlich die Nacht auf den Aschermittwoch durchgeschlafen.

Balkonia wünscht allen eine friedliche und ruhige Fastenzeit, muss ja nicht unbedingt in einem Keller sein.

Bis bald

Eure Balkonia

Apfelessig und Bachblüten

marietta | 04 Februar, 2010 13:39

Februar 2010


Balkonias absoluter Lieblingskrimi sind die „Rosenheimcops“. Man braucht nicht sonderlich gebildet sein um den Film zu begreifen, und die Rolle der Sekretärin namens Stockl, erinnert mich immer an eine Freundin die Ruthli heisst. Ruthli ist, milde ausgedrückt, ziemlich empfänglich für alles Esoterische.

Vor ein paar Wochen hab ich sie auf der Gasse getroffen. Strahlend vor guter Laune und Gesundheit. Wir sind dann in eine Beiz gegangen, weil es Balkonia kalt war. Ruthli hat ein stilles Wasser bestellt und mir erklärt, weshalb sie erstens nicht mehr friere und zweitens nie mehr zu einem Arzt gehen werde. Das Geheimnis heisst: Täglich morgens auf nüchternen Magen einen halben Deziliter Apfelessig trinken. So habe sie ihren Krebs, den Oberschenkelhalsbruch und ihr angegriffenes Zahnfleisch im Nu geheilt. „Hoffentlich Bioapfelessig“, hab ich gesagt. „Logisch! aus dem Reformhaus“ krieg ich zur Antwort, schmecke trotzdem ziemlich sauer, etwas Uebrwindung brauche es schon. Kabu, mein Vater, hat was Ahnliches gemacht, aber mit Russischem Kartoffelsaft, ihm hat es geschmeckt und nachher war er immer guter Laune. Ruthli wurde neugierig und die am Nachbartisch haben  bereits versucht das Lachen zu unterdrücken.

„Rohe Kartoffeln sind ziemlich giftig“ meint meine Bachblüten-, Reiki- und Duftexpertin, das habe sie im Ratgeber gelesen. „Das wusste schon van Gogh, dass Kartoffeln ungesund sind, der hat eine total bekloppte Familie bildhaft festgehalten“, hab ich ihr geduldig erklärt. Die Russen und Polen haben daraus eine einzigartige Medizin gemacht. Wenn die, aus dem wirklich kalten Osten, dieses medizinische Wunder in der notwendigen Menge zur Verfügung haben, frieren die auch nicht mehr. Ruthli wurde neugierig. „Ist das auch so sauer?“ fragt sie mich und ob man das in der Schweiz kriege. „Nein beruhige ich sie, das ist fast ohne Geschmack. Man muss das Getränk nur im Tiefkühler lagern und es ist, mit Ausnahme der Migros, in ziemlich allen Lebensmittelgeschäften im Verkaufsregal. Es heisst VODKA und ist garantiert aus Härdöpfeln aus Bodenhaltung“.

„Aber das ist doch Alkohol“, Ruthli ist entsetzt. „Apfelessig auch, ein Guter hat mindestens 0,5 Vol.%“. Sie will wissen wie viele dieser Volumen denn Vodka hat und ich schwindle ihr vor, dass ich das leider nicht wisse.

Gestern hab ich sie wieder getroffen. Noch strahlender und nicht mehr so säuerlich. Das Medikament von Kabu sei einfach fantastisch, sie nehme einen halben Deziliter und fülle den mit Bioapfelsaft auf. Schmecke wunderbar! In der Beiz hat sie sich dann wieder ein stilles Wasser bestellt und auf meine Frage, ob sie nicht vielleicht doch einen Vodka...  hat sie ziemlich entsetzt reagiert. Von Dr. Mattmann wisse sie, das homöopathische Medizin nie in zu grossen Mengen gebraucht werden soll, sonst sei das Gift. „bei Knollenblätterpilzen reiche schon ein Krümel, Fliegenpilze muss man schon ziemlich mehr essen um ins Jenseits befördert zu werden, bei Fingerhut und Datura braucht es auch nicht sehr viel“ doziere ich und schon Kabu meinte, dass Alkohol im Mass genossen auch in grossen Mengen nicht schadet. Diesen Spruch kann man auslegen wie man will, so wie mein Ruthli das macht, ist sicherlich gesund. Wenn sie noch fünfzig Jahre je ein halbes Dezi trinkt, gibt das auch eine grosse Menge.

In diesem Sinne wünsche ich allen eine rüüdig schöne Fasnacht und trinkt nicht während dieser Woche das Quantum welches Ruthli in fünfzig Jahren konsumiert. (Ruthli, die mit Kommastellen etwas Mühe hat, meinte übrigens, dass Vodka fast ein Prozent weniger Alkohol enthält als ihr Apfelessig)

Bis bald, Eure Balkonias Marietta und Peter

Weihnachtsgeschenke für Miezen

marietta | 31 Dezember, 2009 17:57

Dezember 2009

Balkonias sind sich einig. Wie jedes Jahr keine Weihnachtsgeschenke, nichts Besonderes essen und keine Bepflanzung im Wohnzimmer mit so Kugeln dran und gefüllten Mäusen –Balkonia isst immer erst die roten- , nirgends heimeliges Licht mit Kerzen, weil Daisy dort immer ihre Nase aufheizt und dann hat sie Schnauzhaare wie nach einer Dauerwelle im Do-it -yourself-verfahren - reif fürs Altersheim ist sie ja noch nicht.

Kaloscha fängt an zu murren, sie seien noch Kinder und Kinder kriegen was vom Christchindli, basta. Daisy fängt an Peters Lieblingsteppich zu bearbeiten. Peter hat zuerst etwas geschimpft, dann damit gedroht es gäbe keine Extraguezli mehr. Alles vergebens, die beiden haben uns mit Verachtung angeschaut und sind dann schlafen gegangen. Peter hat sich dann ein Unterhemd, ein Hemd und darüber einen warmen Pulli angezogen. Um seine Füsschen vor dem Erfrieren zu retten hat er meine Kniestrümpfe angezogen und darüber noch eine Socke von sich. Er hat Winterstiefel angezogen, eine dicke Jacke und dann noch einen Mantel plus sämtliche Schals, die er gefunden hat und sich so auf den Weg gemacht um den Katzenkinderchen ein Geschenk zu kaufen.

Er ist mit einem ziemlich grossen Paket, umhüllt mit Weihnachtspapier und Schleife, zurückgekommen.

„Was ist da drin?“, fragt Balkonia ihren Liebsten, der gerade dabei ist, sich von seiner Kleiderschicht zu befreien. „Das ist ein Weihnachtsgeschenk für unsere Kinderchen und wird erst am Heilig Abend geöffnet und jetzt gehe er in die Badewanne um sich vor einer Lungenentzündung zu retten“. Balkonia hebt das Paket, schüttelt es, sucht nach einem Hinweis des Ladens, in dem Peter das Geheimnis gekauft hat.

Nichts!

Die Katzen sind wieder zufrieden mit uns und besuchen Peter in der Wanne, wo sie graziös mit wenigen fast Abstürzen auf dem nassglitschigen Rand rumturnen und in Peters Ohr schnurren.

Von da an haben sie sich vor allem um das Päckli gekümmert. So haben sie es an der Schleife vom Wohnzimmer in die Küche und zurück transportiert. In der Nacht zum 24. sind Balkonias durch ziemlichen Lärm auf der Treppe geweckt worden. Es wurde gefaucht und geknurrt obwohl beide das gleiche Ziel hatten, das Paket muss runter, schliesslich ist jetzt Heiligabend! Wir sind dann wieder eingeschlafen, getrennt von einem inzwischen ziemlich lädierten Paket und zwei ungeduldigen Katzen zwischen uns. Am Nachmittag haben wir noch so das Nötigste eingekauft. Als wir zurück kamen, hatten die Biester die Schleife durchgekaut und waren schon ziemlich weit fortgeschritten mit der Entfernung des Sternlipapiers.

Der Klügere gibt nach, das weiss jeder Katzenfreund. „So ihr beiden, jetzt dürft ihr auspacken“.

Das Weihnachtspapier war sofort weg, Peter hat den Klebestreifen das Kartons entfernt, Kaloscha hat den einen Deckel geöffnet, die andere gleichzeitig den gegenüber. Der Inhalt der Schachtel fing an zu lachen und zwar durchdringend, gleichzeitig strampelte dieser die Styroporkügelchen aus seinem Gefängnis. Die Büsis gingen auf Distanz und ich hab gedacht, dass mein Mann jetzt total durchgeknallt ist. Kurz gesagt, wir haben einen neuen Hausgenossen, einen Affen der auf Lichtveränderungen reagiert, sich dann lachend durch die Wohnung rollt, den Katzen mit seinem Schwanz auf die Näschen schlägt. 

Ein echter Zugewinn an Lebensqualität. Kommst nachhause, zündest das Licht an und schon fängt das Gelächter an.

In diesem Sinne wünschen Balkonias allen ein fröhliches Neues Jahr mit viel Gelächter mit Freunden und vor allem mit der Familie.

Bis bald

Eure Balkonia

Ueberlebenshilfe für Deutsche bei den (Eid)genossen

marietta | 15 November, 2009 14:39

Wenn man den Medien, Parteipolitikern und Stammtischbesuchern glauben soll, sieht die Zukunft für die ersten Genossen der Welt ziemlich düster aus. Auf dem Matterhorn wird die grösste Moschee Europas stehen und zwar mit Minarett, Muezzin und was sonst noch so dazu gehört. Z.B. geheizte Abstellchäschtli für die Schuhe, dort oben ist es nämlich häufig ziemlich kalt. Da die Muslimischen Vereinsmitglieder, welche in der Schweiz leben, höchstens durch Kopftücher beim Damenballsport negativ auffallen, gerät der Durchschnitts-Eidgenosse, mit Recht, nicht sonderlich in Panik. Anders verhält es sich mit der Invasion der Deutschen. Die wollen sich ums Verroden integrieren und werden wie echte Schweizer, was echt peinlich ist. Sie lernen fleissig Schwizerdütschi Wörtli auswendig und reihen diese dann zu einem schwer verständlichen Satz zusammen. Hochschulabgänger mit Diplomen, die mühelos die englische Grammatik beherrschen und unsere Banken, Bahnen und Pharmakonzerne mehr oder weniger gut managen, sind nicht im Stande die Grammatik des Landes, in dem sie Karriere machen möchten zu verstehen. Die, die gerne einheimische Freunde finden würden und die hübsche Berner Oberärztin verführen möchten, scheitern an der Sprache, obwohl sie eine sprechen, die hier jeder versteht. Jedenfalls wenn sie keinen abartigen Deutschen Dialekt sprechen. Was beim Italiener, der seit Jahrzehnten seinen Akzent pflegt, als echte Lebensfreude empfunden wird, vor allem weil der auch gut kochen kann, jedenfalls seine Mama. Auch die hübsche Französin kann noch so schlecht büredütscheli Wörteli parlireli, sie gilt als sexy. Wenn jedoch ein gut aussehender Deutscher beim Bäcker Grüzi,grüzi sagt und dann drei Bröteli anfordert, sagen alle in der Beck „arrogantes Arschloch“, dabei will der sich ja bloss integrieren, dies aber meistens zielsicher und laut, was dem Schweizer ziemlich auf die Nerven geht. Darum eine Bitte an alle integrationswütigen Deutschen: sprecht Eure Sprache aber bitte nicht zu laut. Das Gleiche gilt für Schweizer, die Hochdeutsch nicht einigermassen fehlerfrei beherrschen. Was beim Emil mehr oder weniger lustig klingt, ist auf die Dauer eher mühsam.

Ansonsten haben Balkonias heute die Stimmzettel ausgefüllt und sind uns schliesslich einig geworden, dass Minarette gebaut werden sollten, obwohl es sehr viele Deutsche Muslime in der Schweiz gibt. Aber bei denen bin ich mir sicher, dass sie keine Hitlerplakate im Schlafzimmer aufgehängt haben. Bei den Deutschen Katholiken mit ihrem Chef in Rom bin ich da ein wenig skeptischer.

Ansonsten wünsche ich allen eine schöne Vorbereitungszeit auf den ersten Advent, der beginnt nämlich in vierzehn Tagen. Sammelt Tannzapfen in den Wäldern bevor es Schnee hat, dann findet man sie nämlich besser, kauft rote Kerzen die garantiert richtig tropfen, weil ein Adventskranz, der so richtig Spuren hinterlässt auf dem besten  Möbelstück, einfach nachhaltiger wirkt. Manchmal über Jahre. Nach zwanzig Jahren sind Sie stolze Besitzer von einem Designersalontisch der Ihnen unzählige Geschichten erzählt über Fast-Hausbrände, Anischräbali mit Wachsüberzug und so.

Bis bald, Eure Balkonia

 

Begegnungszonen

marietta | 13 Oktober, 2009 17:43

Oktober 2009

„na, dann treffen wir uns in der Begegnungszone“ haben  Peter und Balkonia telefonisch vereinbart. Dieses lauschige Fleckchen vor dem Stadttheater ist so echt gemütlich. Wie bei Begegnungszonen üblich, begegnet man sich dort  ungezwungen und guter Laune. Kinder spielen Fussball auf der Strasse währen ihre Mütter friedlich mitten in der Begegnungszone plaudern. Der motorisierte Verkehrt tuckert begeistert und freundlich lächelnd mir 20 Stundenkilometern an denen, welche ohne Räder unterwegs sind vorbei. Einfach idyllisch! Eigentlich hat die Stadt ja geplant, dass man dieses Juwel der Ruhe etwas vergrössert und noch an zwei anderen Orten in Planung gibt.

 

Die grösste Hürde, nämlich wie eine Verkehrstafel innert eine halben Sekunden auch nicht Deutschsprechenden Automobilisten klar macht, dass es hier gemütlich ist, wurde schon vor einiger Zeit mit links gemeistert. Weltweit wurde ein Wettbewerb an alle Kunsthochschulen gesendet, alle einheimischen Grafikateliers konnten ebenfalls mitmachen. Internationale Fachleute haben die 3'876 Eingaben angeschaut, Noten verteilt, aus verschiedenen Gründen wurde fast die Hälfte der Werke ausgemustert, entweder waren sie sexistisch (stillende Mutter) oder rassistisch (Kirchturm oder was Ähnliches zu erkennen) oder beides. Der Rest wurde nochmals begutachtet, schlussendlich ist ein wirklich informatives neue Verkehrszeichen kreiert, ausgeführt und montiert worden. Ansonsten hat man nur den Fussgängerstreifen entfernen müssen, der ist dort nämlich, da Fussgänger an diesem Ort von Amtes wegen tun und lassen können was sie wollen, total überflüssig. Peter und Balkonia sind uns heute auf der früheren Strasse begegnet, haben erst mal Aktenkoffer, Einkaufstaschen und was sonst so alles in den Weg kommt für eine herzliche Begrüssung, auf den Boden gestellt, Küsschen links und rechts, dann in Ruhe beschlossen erst hinter dem Globus die gebrauchten Flaschen entsorgen und dann, später könn…“Du Peter“ meinte ich, „irgendwie hab ich das Gefühl, dass der Lastwagenfahrer seinen Baumüll etwas vörsi bringen möchte, jedenfalls lächelt der nicht mehr so freundlich“. Kein Problem für Peter, er hat unser Gepäck etwas in Richtung Theater geschoben und den Fahrer freundlich gegrüsst, hinter dem standen inzwischen so gegen hundert Autos, dessen Lenker ziemlich hässig aussahen, wahrscheinlich mögen die keine Baumüllkipper. Nach der Entsorgung unseres gebrauchten Sondermülls, sind wir in den Globus und wollten was einkaufen. Peter holt den Taschenrechner aus seinem Aktenkoffer, tippt die Preise des Gemüsestandes ein, multipliziert, teilt und zählt dann alles zusammen, was weiss ich. „Balkonia, im Vergleich zu Globus ist der Friedli der billige Jakob, was wir hier eigentlich wollen?“. „Alles nur wegen deinem Nespresso“, versuche ich mich zu rechtfertigen. Wir zanken uns noch etwas darüber, ob man die Kapseln des Kaffeepulvers nicht doch bequemer in den Hausmüll wirft, statt in den Container hinter dem Globus. Würde viel Geld sparen! Wir kaufen nämlich munter in der Lebensmittelabteilung ein, Peters Lieblingsreis für sein Zitronenrisotto, etwas ganz frischen Thunfisch für ein Fischcarpaccio, halt viele Dinge, die der Durchschnittsmensch täglich zum Überleben braucht. In der Einkaufstasche hat nicht alles Platz, aber es gibt Gratis eine hübsche Papiertüte und so zotteln wir über die Seebrücke nachhause. „Hier auf dem Trottoir ist es fast so gemütlich wie in der Begegnungszone“ meint Balkonia nachdenklich, genau so viele Velofahrer und die sogar in beide Verkehrsrichtungen. „Nur, hier hat es im Moment mehr Baustellen“ meint Peter.

In der Küche macht sich Peter erst mal einen Kaffee und eröffnet eine neue Sammeltüte für die Kapseln. „Denen haben wir es nämlich zu verdanken, dass auch Balkonia mal das linke Ufer kennen lernt“ bemerkt Peter grinsend während ich die Tüten ganz vorsichtig auspacke, könnte ja sonst ein Blättchen des liebevoll verpackten Nüsslisalates einknicken.
Bis bald, vielleicht treffen wir uns ja in der Begegnungszone, wer weiss.

Eure Balkonia

Alle Luzerner werden Weltmeister

marietta | 13 September, 2009 14:19

September 2009-09

Balkonia will es nicht beschwören, aber es war glaub unser allseits beliebter Kurt H. Illi, der vor ein paar Jahren auf die Idee kam, dass Luzern weltweit zur freundlichsten Stadt erkoren werde. Dieses Ziel zu erreichen wollten viele von unseren Mitbewohnern. Vor allem Rentner, Frühaussteiger oder solche die den Wiedereinstieg nicht geschafft haben. So haben ehemalige Handsgi-, Chindsgi und andere Lehrer unter Mithilfe von allerlei ehemaligen Beamten, Pöstlern und SBB-Angestellten sofort verschiedene Vereine gegründet, alles sehr korrekt mit Präsident, Aktuar, Stimmenzähler und was es sonst noch so braucht. Spendenkonti wurden eröffnet und dann die Zielgruppen eingeteilt. Verkäuferinnen, Servicemitarbeiterinnen und Kioskverkäuferinnen waren einstimmig als erste zu bearbeiten, später Buschauffeure und Strassenwischer, an letzter Stelle wollte man sich dann noch um die Bevölkerung kümmern. Ein ehemaliger Zeichnungslehrer hat unter Mithilfe seines Sohnes Smileys-Rondellen gestaltet, die überall aufgehängt wurden. Es konnte losgehen. Als erstes wurden morgens unausgeschlafene und mufflige Wirte von total motivierten Rentnern aus dem Bett geklopft um den Chefs der Beiz beizubringen, wie sie ihr Personal auf diese Olympiade vorbereiten sollten, Ab neun Uhr kamen dann die Rayonchefs der Verkaufsläden dran, die Kioskmitarbeiterinnen wurden einzeln bearbeitet. Mit diesen Gruppen ging alles ziemlich gut, weil Verkäuferinnen etc. eh alle ziemlich bis überfreundlich sind. Die Schwierigkeiten begannen bei den Buschauffeuren, die hatten echt keine Zeit für den Quatsch. Die Strassenreiniger haben sich an die Stirn getippt und dann den verkappten Sozialarbeitern den Strassenstaub um die Ohren gewirbelt. Mit dem Versuch die Bevölkerung nur noch lächelnd durch die Gassen zu gehen zu lassen, bissen die Freundlichkeitstrainer auf Granit. Balkonia schimpft nach wie vor Velofahrern  in der Fussgängerzone nicht sonderlich jugendfreie Wörter hinterher und wird grinsend von den Nachbarn unterstützt. Der langen Rede kurzer Sinn: nicht alle Luzerner sind dauernd freundlich und somit untauglich für diese Olympiade.

Nun starten die etwa gleichen Leute zu einer neuen Aktion: Luzern, die sauberste Stadt der Welt. Der Plan wird den Altstadtbewohnern und deren Anhängern am Dienstag, 22. September um 19.00 im Rathaus verraten. Als Abschiedsgeschenk gibt es nebst Apéro noch ein Schüfeli mit Bäseli und auf Wunsch zwei Kehrrichtsäcke gratis (gespendet von Robert Casagrande und Fritz Rogger). Kurt H. Illi spendet Teppichklopfer für die Bestrafung der Abfallsünder.

Na dann, ich wünsche mir und allen anderen viel Erfolg und hoffentlich eine Goldmedaille.

Bis bald und bleibt sauber

Eure Balkonia

 

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